Malmö gegen Kharkiv

„Seid ihr aus Deutschland?!!“

Diese Frage stellte uns der Kassierer am Eingang des Malmö Stadions, Schwesters Bayern München Portmonaie hatte uns verraten, ja wir waren aus Deutschland. Groundhopping im Ausland.

Urlaub ist ja immer eine feine Sache, besonders wenn er im Ausland ist. Dennoch ohne Fußball geht es halt nicht und wenn man schonmal die Gelegenheit hat einen neuen Länderpunkt zu setzen, dann muss man sie beim Schopfe packen.
So machte sich unsere Reisegruppe also am Donnerstag auf gen Malmö. Ein bisschen Stadtbesichtigung und abends noch ein Spiel ehe es nach Kopenhagen zurück ginge.
Malmö ist eine kleine aber sehenswerte Stadt, aber das soll ein Hoppingbericht werden, also genug der Urlaubsgefühle.

Malmö FF gegen Metalist Kharkiv sollten am Abend in der Europa League die Klingen kreuzen. Ein Spiel indem die Ukrainer die klar favoritisierte Mannschaft waren, da Malmö nach 2 Niederlagen den letzen Platz der Gruppe belegte. Wollten sie International also dieses Jahr noch was reissen, waren sie zum Siegen verdammt.
Schon während des Stadtrundgangs sahen wir einige Ukrainer in der Stadt, im Stadion sollten es dann ca. 50 bis 100 gewesen sein.

Am Stadion angekommen löhnten wir erstmal artig unsere Parkgebühr, ehe es zum Stadion ging. Wir, dass waren in diesem Fall meine Freundin, meine Schwester, mein Cousin und ich. Für meinen Cousin war es gar das erste Fußballspiel überhaupt in einem Stadion.
Das Swedbank Stadion hatte eine ufoähnliche, viereckige Form. Von außen komplett in Schwarz gehalten, mit Gittern in der Mittelebende zum reinkucken, welche durch die Dunkelheit beleuchtet waren, dies war natürlich eine sehr imposante Erscheinung. Ein reines Fußballstadion noch dazu und ein Neubau.
Also nix wie hin zu Kasse wo wir für die Haupttribühne 295 schwedische Kronen löhnten, das waren umgerechnet 33,66 Euro, pro Person wohlgemerkt. Hey wir hatten Urlaub da geht das schonmal.

Das Stadion sah von innen ähnlich aus wie die ehemalige Bayarena. In Uform komplett zweirangig, und hinter dem einem Tor der Heimbereich, einranging und dahinter noch ein Verwaltungsgebäude, das Stadion war komplett überdacht.
Die erste Eigenart die mir auffiel, im Stadion gab es keine Trennung der Toiletten zwischen Männlich und Weiblich, nein es gingen alle auf das selbe Klo. Sowas hatte ich in Deutschland noch nirgends gesehen. Die zweite Eigenart, an jedem Stand im Stadion war es möglich mit Visacard zu zahlen, auch das hatte ich in Deutschland noch nie erlebt.

Das Stadion füllte sich erst kurz vor Anpfiff richtig, ca. 7.000 Zuschauer werden es wohl gewesen sein. Davon ca. 3.000 im Heimbereich hinter dem Tor vor dem Bürogebäude. Eine kleine Ultragruppierung konnte ich ausmachen, einen Capo mit Megafon, kaum eine Zaunbeflaggung, dafür aber ordentlicher Fahneneinsatz, war zu erkennen. Die Ukrainer, mit ca. 100 Mann anwesend, ausschließlich Kuttenfans.

Kurz vor Spielbeginn wurde die Malmö-Hymmne gespielt. Sehr Laut und wirklich sehr Imposant wurde sie von allen getragen. Dazu gab es ein riesen Spruchband, welches vor dem Heimbereich gezeigt wurde. Den Inhalt kann ich leider aufgrund mangelnder Schwedischkenntnisse nicht wieder geben. Sah aber gut aus.

Malmö in der ersten viertelstunde das tonangebende Team, schoss in Minute 6 und 13 denkbar knapp, jeweils Links und Rechts vorbei. Die erste Viertelstunde gehörte aber Malmö. Sodass sie in der 22. Minute dann nach einem schnell ausgeführten Freistoß an der Mittellinie, welchen der Stürmer an der Strafraumgrenze annahm und technisch sauber über den Hüter lupfte, mit 1:0 in Führung gingen und das hochverdient.
Danach stellten sie aber ähnlich wie Chemie das spielen ein. In der 32. Minute konnte Kharkiv nach einer Flanke von rechts, und einem wunderschönem Flugkopfball von Cristaldo zum 1:1 ausgleichen. Dieser Cristaldo sollte auch die nächsten 5 Minuten beherrschen. In Minute 33 ging er alleine auf den Malmöer Hüter zu, und scheiterte nur an einer spektarkulären Parade, seinen Schuss konnte der Hüter gerade noch so über die Latte drücken.
In Minute 37 begann Cristaldo einen Tätlichkeit, vermutlich einen Faustschlag und durfte dann mit Rot den Platz verlassen. Die 5 Minuten des Cristaldos waren vorbei, Kharkiv nur noch zu zehnt und die Hütte am Brodeln.

Ich dachte jetzt eigentlich Malmö würde etwas Ruhe ins Spiel bringen, doch dies gelang nicht und so konnte Kharkiv in der 45. Minute nach einer Flanke von rechts, diesmal mit einem Volleyschuss von Fininho mit 2:1 in Führung gehen. Psychologisch wichtiger Zeitpunkt würden die Experten jetzt sagen. So war es dann auch.
Malmö kam nochmal druckvoll aus der Kabine. In der 53. Minute erspielten sie sich eine 3 gegen 2 Situation am Strafraum, der Schuss wurde allerdings abgeblockt, Riesenchance. Zwei Minuten später in der 55. Minute gab es eine Ecke für Malmö, welche an die Latte geköpft wurde, das hätte der Ausgleich sein müssen.
Da dachten sich die Ukrainer und auch ich in der 57. Minute, jetzt zeigen wir Malmö wie das mit der Ecke so geht. Also Ecke von links, Kopfball von Edmar und Tor. 3:1 für Kharkiv. Jetzt war die Sache gelaufen. Die Körpersprache der Schweden verriet das.

In der 73. Minute konnte dann Devic nach einem Ballverlust im Mittelfeld die gesamte Malmöer Abwehr austanzen und zum 4:1 vollenden. Die Gästefans freute es sehr, sie rissen sich die Shirts vom Leibe und feierten bei gefühlten Minusgraden bis weit nach Schlusspfiff ihren Sieg! 1 2 3 Oberkörper frei, sage ich nur.
Ansonsten waren sie aber selten und wenn dann nur mit dem selben Schlachtruf zu vernehmen.
Die Stimmung von Malmö war in der ersten Halbzeit super, sehr melodisch, ca. 10 Minutem am Stück Wechselgesang, dazu ordentlich Pöpellei gegen den Gast. Viel habe ich nicht verstanden aber ich konnte es erahnen. Auch nach dem 4:1 blieb nahezu das ganze Stadion bis zum Schlusspfiff. So muss das sein. Ein toller Fußballabend, mit einem sehenswertem Spiel, war das.

Wir fuhren dann in Ruhe nach Kopenhagen zurück und waren uns einig, dieser Ausflug hatte sich gelohnt.
Bilder versuche ich nach der Hoppingtour noch Nachzureichen!

Spielüberblick:

Malmö FF: Johan Dahlin, Ulrich Vinzents, Pontus Jansson, Daniel Andersson, Ricardinho, Miljan Mutavdzic, Ivo Pekalski, Jimmy Durmaz, Jiloan Hamad, Wilton Figueiredo ,Mathias Ranégie

FC Metalist Kharkiv: Oleksandr Goryainov, Cristian Villagra, Papa Gueye, Fininho, Marco Torsiglieri, Edmar, José Sosa, Juan Torres, Cleiton Xavier, Taison, Jonathan Cristaldo

Tore: 1:0 Jiloan Hamad (22.), 1:1 Jonathan Cristaldo (32.), 1:2 Fininho (45.), 1:3 Edmar (58.), 1:4 Marko Devic (73.)

Zuschauer: 7.000


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