„Andi Luthe, Andi Luthe, Andi Luthe, Andi Luthe …“
Schallte es nach Abpfiff durch das Ruhrstadion Bochum, schallte es auf den Straßen Bochums und schallt es warscheinlich noch immer in den Kneipen Bochums. Der Bochumer Hüter war der Held des Spieles. Aber der Reihe nach.
Ihr werdet euch sicherlich Fragen: „Hä? Bochum? Denke die wollten nach Mannheim!“. Jo wollten wir auch, aber das Spiel Waldhof gegen Worms wurde unbekannterweise auf Mittwoch verlegt. Gut das wir es früh genug erfuhren und so die Tour ein wenig umgestalteten. Das beschauliche Bochum, im Ruhrgebiet, lag nur 250 km entfernt und bot das einzige besichtbare Spiel an diesem Freitag. Also nix wie hin dachten wir uns!
Nach einem sehr gutem Frühstück an diesem spätsommerlichen Freitagmorgen im Oktober, machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Frankfurt, wo der Archivar das Waldstadion besichtigte. Anschließend machten wir uns über den Ruhschnellweg auf nach Bochum. Wie das im Ruhrgebiet so ist gings halt nicht ohne Stau, aber nach drei Stunden verkündete das Navi, sie haben ihr Ziel erreicht.
Ich muss zugeben das Ruhrgebiet hatte ich mir immer anders vorgestellt, aber auf der Fahrt dahin endeckten wir doch das eine oder andere landschaftliche Highlight unseres Heimatlandes. Nur der Verkehr wurde immer dichter, je näher man kam. Der Archivar nahms locker: „NRW ist halt das Bundesland mit den meisten Einwohnern, und da haben die noch nicht mal alle ein Auto!“.
Am Stadion angekommen war ich das erste mal richtig Baff. Ein kassiches Viereck mit Blechdach, gehalten von Betonelementen aller 10 Meter, stand uns da gegenüber. Das Bochumer Ruhrstadion, heute rewirpower Stadion, grauenhafter Name. An allen vier Ecken typisch Oldshool Flutlichtmasten, Gott was für ein geiler Anblick.

Ruhrstadion Bochum
Nachdem wir uns Karten gekauft, der Archivar das wichtigste, das Programmheft, geholt und wir einen bombastischen Dönerteller verspeist hatten gings auch schon richtung Eingang.
Nebenbei noch den Anmarsch der Zugfahrer aus Aachen beobachtet. Voran ein Polizeiauto dann ein gefühlt ein Kilometer langer Menschenstrom, bestehend aus geschätzen 300 Fans, welche da Pöpelnd durch Bochum liefen. Keine Polizeikesselung, nur ein paar Ordner, welche immer mal unterwegs ein Päuschen machten.
Das hätte es im Osten nicht gegeben, der Archivar und ich schauten uns ungläubig an.
Im Stadion drinn, dann erstmal die Plätze auf der Gegengeraden eingenommen und die Hütte gecheckt. Geil, mehr fällt mir nicht ein. Reines, einrangiges, Fußballstadion, an den Ecke geschlossen, aber nicht rund. Die Flutlichtmasten in die Ecke integriert und verglast. Hammergeile Sicht, nur die Stangen störten etwas. Ein Kritikpunkt gabs dann doch, 25 Euro Eintritt, für ein Platz neben der Heimkurve und einer Stange im Sichtfeld war dann doch etwas hart, soll aber das positive Gesamtbild nicht stören.

Ein Hauch von Romantik
Die Aachener waren ca. eine Stunde vor Spielbeginn schon gut am Singen. Die Bochumer Heimkurve baute derweil noch die geschätzen 7 Trommeln auf.
Kurz vor Spielbeginn dann noch Grönemeyers Bochumlied und der Archivar mit Gänsehaut, dann gings los.
Der VfL von Anfang an bissiger, bereits in Minute 1 mit einem Kopfball, welchen der Aachener Hüter aber festhielt.
Dieser hatte übrigens den wohlklingenden Namen Boy Waterman und spielte im Heimtrikot der BSG Chemie, aber das nur am Rande! Bei Aachen ein gewisser David Odonkor, ich sage euch Leute der Mann ist Live noch schneller als im Fernsehen.
In den ersten 15 Minute drückte Bochum die Aachener in die eigene Hälfte und zeigte wer Herr im Hause ist. Die erste Chance für Aachen kam dann in der 14. Minute, als der Stürmer gleich zwei mal im Fünfmeterraum zum Schuss kommt, denn Ball aber letztendlich in die Wolken jagt. Riesending. Man hatte aber nie das Gefühl das Aachen jetzt das Spiel übernehemen würde, nein viel mehr sah man ein spannendes Spiel, welches klar von Bochum bestimmt wurde.
In der 38. Minute dann ein Wahnsinnspass aus dem Mittelfeld in den Lauf des Bochumer Inui, der alleine auf den Hüter zuläuft und am langem Pfosten vorbeischiesst. Unfassbar, den kann man garnicht mehr vorbei machen.
Dachte sich sicher auch Inui und raufte sich die Haare. Keine 58 Sekunden später Einwurf für Bochum, passt auf Inui der zentral vorm Sechzehner draufhaut. Der Ball wird nicht abgefälscht und der Hüter hatte sicher noch Mitleid mit Inui, ging ein Schritt nach Links und bekam dann den rechten Arm nicht mehr an den Ball. 1:0 für den VfL Bochum 1848.
Nach dem Spielverlauf der 1. Halbzeit absolut verdient, ohne Zweifel. Mit diesem Ergebnis ging es dann in die Halbzeit.
In der zweiten Halbzeit dann aber ein völlig anderes Spiel. Aachen kommt sofort druckvoll aus der Kabine, in der 50. Minute läuft einer alleine vom Mittelfeld über die linke Seite aufs Tor zu, zieht im Sechzehner ab. Aber Luthe kann mit einer Glanztat die Bochumer Führung bewahren.
Aachen jetzt mit besserem Spiel und viel mehr Spielanteilen. Nachdem Auer den Ball im leerem Tor aus einer Abseitsposition nicht unterbringen konnte, hatte in der 60. Minute wieder Luthe seinen Auftitt. Nach einer Flanke von Links, fischt er den Kopfball aufs rechte Eck mit einer Wahnsinnstat von der Linie. Unfassbare Parade.
Vermutlich machte er heute das Spiel seines Lebens. In der 71. Minute bewies er Liberoqualitäten als er einen Ball vorm Strafraum per Grätsche klärte.
Bochum kam dann langsam wieder ins Spiel konnte aber aus seinen Möglichkeiten kein Kapital schlagen.
Zur Stimmung ist zu sagen, Wahnsinn! Beide Szenen waren von unserem Platz aus gut zu hören. Aachen mit ca. 1.500 Mann zu Gast. In der Bochumer Heimkurve immer so an die 500 Mann am Supporten. Dabei sangen sie viele einprägsame Lieder und schafften ständig das ganze Stadion mit den Klatschrythmen und Gesängen mitzureissen.
Die Gegengerade auf der wir saßen, stimmte auch während des Spiels immerwieder eingenständig VfL VfL an und dabei zogen nahezu alle mit.
Ich muss gestehen ich bin mit wenig Erwartungen nach Bochum gefahren und habe auch immer ein bisschen die Einstellung vertreten, dass Bochum ein Allerweltsverein sei, wie Freiburg, Duisburg, oder Paderborn.
Als die letzten 10 Minuten das ganze Stadion den VfL nach vorn trieb. Als die letzen 3 Minuten das ganze Stadion stand und sang, inbrüstig, und mit Leidenschaft, da musste ich meine Meinung revidieren. Der VfL scheint doch etwas anders zu sein.
Positiv ist auch anzumerken dass, das ganze Stadion die Mannschaft nach vorn trieb, und es auch zu keiner Zeit Pfiffe oder Beschimpfungen gegen das eigene Team gab.
Überhaupt schein Fußball im Ruhrgebiet etwas anderes zu sein. Das Stadion war ständig in Bewegung, ständig standen Leute auf und holten Bier und Bratwurst. Ich glaube dort wird der Fußball in besonderer Weise gelebt und diese Mentalität hat mich vor Ort beeindruckt.
Und so kam es dann das ich bereits vor dem Schlusspfiff Gänsehaut hatte. Das ich den Archivar ungläubig ansah und er mich auch. Das ich mir an den Kopf fasste, als Luthe in der Nachspielzeit einen Elfmeter verursachte. Gerade Luthe, der Mann der zweiten Halbzeit. Und dann kam es dieses Gefühl, ihr kennt es alle, dieses Gefühl was man hat, wenn man weiß, gleich wird ein Elfmeter gehalten. Ich sah den Aachener anlaufen, schiessen und Luthe den Ball halten, danach Explodierte das Stadion förmlich vor Jubel und ich mit ihm. JAAAAAAAAAAAAA. Auch wenn Aachen sportlich das 1:1 verdient gehabt hätte, nach dieser zweiten Hälfte, habe ich gejubelt.

Wer findet den Held?
Als Fazit bleibt, dass ich wohl meine Meinung über den VfL ändern muss. Das die Stimmung öfter brachial Laut und einfach irgendwie Englisch war. Das das Spiel zu jederzeit Spannend war und auf einem hohem und gutklassigem Niveau geführt wurde. Dass ich wie der Archivar ohne Erwartungen hingefahren bin und das ich positiv überrascht wurde. Das der Ground und die Stimmung wahnsinn waren. Oder um es mit den Worten des Archivars zu sagen: „GEIL, GEIL und nochmals GEIL.
Diese Worte fielen auf der Rückfahrt im Minutentakt. Wahnsinn.
Bilder gibt es hier.
Spielüberblick:
VfL Bochum 1848: Luthe – Kopplin, Maltritz, Acquistapace, Ostrzolek – Kramer – Federico (64. Aydin), Dabrowski – Inui – Ginczek (77. Azaouagh), Chong Tese (84. Sinkiewicz)
TSV Alemannia Aachen: Waterman – K. Falkenberg, Feisthammel, Olajengbesi, Achenbach – Odonkor (46. Junglas), Demai, Sibum (81. Uludag), Yabo – Radu (85. Marco Stiepermann), Auer
Tore: 1:0 Inui (39.)
Zuschauer: 14.286


Nur auswärts hat der VfL einen erbärmlichen Support!
Also bitte ja, freiburg ist kein allerweltsverein !!!
Hey
Bin zufällig über Twitter auf diesen Bericht gestoßen! Echt toll geschrieben! Großes Lob!
Danke Alex!
Hat auch Spaß gemacht zu schreiben, da der Abend wahrlich großartig war!