Frankfurt (FSV) gegen Düsseldorf

„Oh mein Gott, besserer Sportplatz!“

Sagte der Archivar zu mir, als wir das Frankfurter Volksbankstadion betraten. Ja schonwieder ein Kommerzname. Also als wir den Bornheimer Hang betreten hatte. Ich musste ihm wiedersprechen, kein besserer Sportplatz, ein ausgebauter Sportplatz trifft es besser. Aber der Reihe nach.

Zum Abschluss unserer Tour schauten wir uns das Spiel FSV Frankfurt gegen Fortuna Düsseldorf an. Nachdem wir, schweren Herzens, Abschied von unserem Hotel in Offenbach am Maa nahmen und in Stadionnähe einen Parkplatz fanden, gingen wir auch schon auf den Stadionkomplex zu.
Eigentlich machten wir den Ground ausschließlich wegen Fortuna, die hatten wir beide nämlich noch nicht Live gesehen. Zumindestens die Fortuna der Neuzeit!

Das Stadion sah von Außen aus wie ein Bunker und bestand zunächst ersteinmal aus Beton.
Wir waren relativ früh da und gönnten uns zum Abschluss nochmal einen Sitzplatz für 25 Euro auf Höhe der Strafraumgrenze. Die Heimtribühne sah von außen, wie bereits beschrieben, wie ein Bunker aus, jede Menge Beton, dazu ein hässlicher Schriftzug. Die Gegengerade, auf der wir saßen, hatte ebendfalls eine interessante Architektur. Reine Sitzplatztribühne, die überdacht war und irgendwie zu lang geraten war. So ragte sie nach außen, an der Heimtribühne vorbei, weit vorbei. Sodass man auf der Tribühne rumspazieren konnte, ohne im Stadion zu sein, lediglich die Stufen waren in diesem Bereich nicht mit Sitzplätzen ausgestattet. Sah doch sehr gewöhnungsbedürftig aus. Man hätte aber das Spiel auch von da aus verfolgen können, einzig einen Strafraum hätte man nicht einsehen können. Wir entschieden uns dann aber doch dem Spiel innerhalb der Begrenzung beizuwohnen, um den Ground zu machen und beide Tore einsehen zu können.

Im Stadion angekommen wurde dann erstmal der Rest begutachtet, die alte Haupttribühne, ein Relikt aus der Zeit vor dem Umbau zur Zweitligatauglichkeit, machte einiges her, ansonsten ein besserer Sportplatz. Mit viel Beton und flachen Rängen.

Nach und nach füllte sich das Stadion und es wurde relativ schnell erkennbar, dass hier heute die überwiegende Mehrheit wegen Fortuna Düsseldorf den Weg in den Bornheimer Hang gefunden hatte.
Während der Stadionsprecher nimmermüde wurde zu erwähnen, dass es für Frankfurt heute zum erstem Sieg reichen sollte, schmunzelten der Archivar und ich ständig. Eintracht Frankfurt Sitzkissen, Portmonais und Trikots gepaart mit FSV Frankfurt Utensilien trugen die anwesenden Heimzuschauer zur Schau. Wissen die nicht was sie wollen oder nimmt man es mit der Feindschaft nicht so genau, oder wurden wir gar auf ganz ironische Art und Weise verarscht? Diese Frage konnten wir nicht abschließend klären.

Stattdessen tat uns der Schiedsrichter den Gefallen und pfiff die Partie endlich an. Über die Hälfte des Stadions, in Rot und Weiß gehüllt, wartete sehnsüchtig auf diesen Moment.
Der FSV versteckte sich jedoch in diesem gefühltem Auswärtsspiel garnicht und spielte zu Beginn an Munter auf.
In der 13. Minute schoss Yelen den FSV, mit einem sehenswertem Freistoß ins linke Eck, in Führung. 1:0 für den FSV, eine Überraschung.

Tor für den FSV
Das 1:0!

Doch Düsseldorf konnte 3 Minuten später die passende Antwort geben. In der 16. Minute kam Rösler auf der rechten Seite an den Ball und nagelte diese mit einer Bogenlampe, aus gut und gerne 25 Metern, über den Hüter zum 1:1 in die Kiste. Absolutes Traumtor und die Hütte am ausrasten.

Wer dachte das Düsseldorf das Spiel jetzt an sich reissen würde sah sich aber getäuscht. Stattdessen verweigerte der Schiedsrichter Fortuna einen klaren Elfmeter und übersah ein Foulspiel im Mittelfeld. Diese zwei schweren Fehlentscheidungen führten dazu, dass der FSV Frankfurt in der 20. Minute im direktem Gegenzug zum nicht gegeben Elfmeter in Front gehen konnte. Chrisantus konnte auf der linke Seite geschickt werden und in den Strafraum eindringen, von wo er mit einem sattem Schuss ins rechte Ecke das 2:1 besorgte.

Hier war was los, 3 Tore in 7 Minuten und der FSV in Führung. Das kommen hatte sich wahrlich gelohnt.
Der FSV, von nun an selbstbewusst, machte in der ersten Halbzeit das Spiel, konnte sich aber nix zwingendes mehr erarbeiten. Sodass es verdient mit 2:1 in die Pause ging. Der Archivar und ich rieben uns verwundert die Augen und fragten uns ob der Stadionsprecher mit seiner Ansage recht behalten sollte? Fortuna in der ersten Halbzeit wirklich unterirdisch.

Doch Fortuna kam agressiver aus der Pause, das mussten sie aber auch. Zunächst sollte nocheinmal der Schiedsrichter im Mittelpunkt stehen. Dieser übersah diesmal ein klares Foul an Stark und verweigerte dem FSV Frankfurt den fälligen Elfmeter. Stattdessen pfiff er ein Allerweltsfoul am Strafraumeck der Frankfurter. Dieser Freistoß der Düsseldorfer führte dann zu einem Foul im Strafraum an Rösler. Diesmal gab es den klaren Elfmeter für Düsseldorf. Rösler lief an und schob überlegt zum 2:2 ein.

Rösler
Das 2:2!

Frankfurt verlor mehr und mehr den Faden, und als in der 66. Minute Rösler mit einem wahnsinnspass auf die linke Seite zu Dum, diesen auf die Reise schickte, drehte die Partie. Dum ging alleine auf den Hüter zu, tunnelte diesen und schob zum 3:2 für Düsseldorf ein. Wahnsinn, Spiel gedreht die Hütte am Ausrasten.

FORTUNA
Die rote Wand!

Von Frankfurt kam jetzt garnix mehr, und Fortuna spielte konzentriert und auf Konter bedacht. In der 82. Minute laufen dann in einem Konter zwei Fortunen alleine aufs Tor und spielen sich den Ball clever zu, sodass Beister nur noch zum 4:2 einschieben musste.
Ich dachte mir noch so, wenn jetzt noch eins Fällt haben wir die torreichste Begegnung und Fortuna sollte mir diesen Gefallen tun. Wieder war es Beister, der nach mustergültigem Rückpasses seines Mitspielers von der Grundlinie, in der 85. Minute den Endstand von 5:2 besiegelte.
Der Sieg für Fortuna war aufgrund der zweiten Halbzeit verdient, von Fraknfurt kam nämlich garnix mehr, und dennoch ist er zwei Tore zu hoch ausgefallen. Meiner Meinung nach.

Die Stimmung war von seiten des Fortunaanhanges überragend. Auch ohen Dach über den Kopf sorgten die gut 5.000 Fans immerwieder für barchial laute Stimmung. Sehr einprägsam dabei der Wechselgesang Fortuna Düsseldorf und die brachial lauten Heyklatscheinlagen. Das war ganz großes Kurventennis.
Auch beim FSV Frankfurt bemühte sich eine kleine Gruppe hinter dem Tor um soetwas wie Stimmung, was aber aufgrund der Übermacht zum scheitern verurteilt war. Lediglich ein Spruchband mit der Aufschrift: „Gruppenverbote abschaffen!“, stach mir ins Auge. Gleichzeitig konnte man durch den Zaun wahrnehmen wie einige FSV Fans auf der anderen Straßenseite draußen vor dem Stadion mit Fahnen und Gesängen ihr Team unterstützten. Ich denke es besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen Spruchband und der Gruppe draußen, jedoch sind mir keine genaueren Hintergründe bekannt.

FSV Anhang
Der Heimanhang!

Als Fazit bleibt stehen, dass dieses Spiel einen würdigen Abschluss darstellte und das sich das kommen wegen Fortuna wahrlich lohnte. Aber ansonsten war es ein Ground, welcher nach dem Motto: „Hab ich mal gesehen, muss ich nicht wieder hin!“ gehandhabt werden kann.

Bilder gibt es hier!

Spielüberblick:

FSV Frankfurt: Klandt – A. Huber (68. W. Hleb), Gledson, Heitmeier, Gaus – Cinaz, Y. Stark (74. B. M. Gueye) – Teixeira, Yelen, Chrisantus – K. Benyamina (74. M. N‘Diaye)

Fortuna Düsseldorf: Ratajczak – Levels (88. Chr. Weber), Lukimya, Juanan, J. van den Bergh – Bodzek, O. Fink – R. Kruse (84. R. Jovanovic), Rösler, Dum (83. Langeneke) – Beister

Tore: 1:0 Yelen (13.), 1:1 Rösler (16.), 2:1 Chrisantus (20.), 2:2 Rösler (55., Foulelfmeter), 2:3 Dum (66.), 2:4 Beister (82.), 2:5 Beister (85.)

Zuschauer: 7.719


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