April April

„Der FC Bayern München verpflichtet einen neuen Spieler! Live-PK um 14 Uhr exklusiv bei Facebook“

Diese Nachricht konnte man gestern gegen 13 Uhr auf der Facebook-Seite des FC Bayern erspähen. Aber auch nicht Facebook-User kamen in den Genuss diese Nachricht zu Gesicht zu bekommen, denn kurzzeitig konnte man diese Nachricht sogar auf der offiziellen Vereinshomepage vernehmen.

Dies führte natürlich zu wilden Spekulationen, vor allem im Fanumfeld aber sicherlich auch im Kreise einiger Journalisten. Sollte dem FC Bayern ein absoluter Coup gelungen sein? Einen neuen Weltstar zu verpflichten ohne das die Presse davon Wind bekommen hatte?
Eine halbe Stunde später wurde dann auf der Facebook-Seite gepostet, dass es sich um einen neuen Offensiv-Spieler handelte. Wer würde es also sein? Götze, Kaka, Xavi?

Um es kurz zu machen, niemand, es handelte sich um eine ganz schlechte PR-Aktion des FC Bayern für eine neue App, The New FCB Star.
Zu sehen war zunächst eine völlig normal beginnende Pressekonferenz an der Christian Nerlinger und Philipp Lahm teilnahmen. Nachdem Nerlinger etwas erzählte, dass dem FCB ein Überraschungscoup gelungen ist und dass man diesen Spieler bereits seit Jahren beobachtet hätte und jetzt ganz schön Geld in die Hand genommen hätte, um diesen zu verpflichten, berichtete Lahm, dass sich die Mannschaft sehr auf ihn freue und er das Offensivspiel ankurbeln würde.
Anschließend zeigte Nerlinger ein Bild, auf dem dann das Benutzerbild des jeweiligen Facebook-Users zu sehen war, welcher sich die Pressekonferenz gerade ansah. Also sozusagen das eigene Profilbild, sofern man sich die PK ansah.
Es folgte noch kurz die Vorstellung des Trikots mit der Nummer 8 und dem eigenen Nachnamen, ehe noch andere Bayernspieler einen Kommentar dazu abgaben.

Der Verein wollte mit der Aktion darstellen, dass die Fans der zwölfte Mann seinen und sie zur Mannschaft gehören, sozusagen auch ein Star des Teams sind.

Dies kam in der Fanszene denkbar schlecht an und es hagelte, in meinen Augen, berechtigte Kritik an den Machern dieses „PR-Gags“. Doch warum kocht die Fanseele des FCB bei diesem Thema so hoch?

Zunächst muss natürlich der gewählte Zeitpunkt, in der Wintertransferperiode, nach dem verlorenen Spiel gegen Gladbach, nach der Verletzung van Buytens und vor allem auch nach der Verstärkung der Dortmunder durch Reus, betrachtet werden. Dieser ist unter den genannten Voraussetzungen natürlich denkbar ungünstig gewählt, für so einen PR-Gag.
Aber auch die Art und Weise der Umsetzung des Clips ist zu betrachten. Da wird mit Zitaten des Vereinspräsidenten, mit seriösen Ankündigungen auf der offiziellen Vereinshomepage und mit einer Spielerverpflichtung geworben. Im Clip spielen dann die wichtigsten Vertreter aus dem Vereins- und Mannschaftsumfeld mit.
Die Art und Weise die Aktion zu bewerben, sofern es sich nur um eine PR-Aktion handelte, hätte durchaus anders gewählt werden können und nicht so hochoffiziell sein müssen.

Auch das im Clip von einer lang ersehnten Verpflichtung, wofür man ordentlich Geld in die Hand nahm, gesprochen wurde, stößt einigen Fans sauer auf. Zumeist ist es doch der Fan, der Geld in die Hand nimmt, um den Verein zu unterstützen, sei es durch Fanartikel, Mitgliedschaft, Eintrittskarten u.a., und welcher zum Teil schon lange und mit Herzblut dabei ist. Dass dieser Fan sich dann erst seit gestern offiziell als Teil des Vereins oder der Mannschaft sehen darf und dass der Verein dafür viel Geld in die Hand genommen hat, wie es im Video suggeriert wird, darf dann schon zurecht kritisiert werden.

Ein weiterer Faktor diese Aktion zu kritisieren, ist das Verbot des Vereins an seine Spieler, sich vor dem Spiel in Social Media Networks wie Facebook oder Twitter zu äußern, das Kritisieren von Spielern, welche Fotos aus der Kabine online stellen.
Selber aber nutzt der FCB diese Social Media Network Facebook für eine derart schlechte PR-Kampagne.

Was man dem Verein zu gute halten muss, ist die sehr kurzfristige öffentliche Ankündigung der Pressekonferenz und dann noch die Exklusivübertragung auf Facebook. Da hätte man das erste mal stutzig werden können, als dann aber Lahm mit an der Pressekonferenz teilnahm, hätte man es eigentlich wissen müssen, da dies eher unüblich ist.

Dennoch hat sich der FC Bayern mit dieser PK keine Gefallen getan. Die Medienlandschaft griff es auf und transportierte den misslungenen PR-Gag nach außen. Selbst internationale Medien griffen die Nachricht auf, so dass ganz Europa sich an der Aktion belustigt.

Was sollte der FC Bayern also daraus lernen? Mit den Emotionen der Fans spielt man nicht, das kann schnell nach hinten losgehen. Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig gewählt, vor allem der Wunsch und die Hoffnung der Fans nach einer Verstärkung in der Winterpause wurde durch diese Aktion mit Füßen getreten.
Das dann noch mit Nerlinger und Lahm, aber auch Robben, Müller und Neuer, wichtige Personen aus dem sportlichen Umfeld im Video mitwirkten, kann nach der Leistung am letzten Freitag auch missverstanden werden. Besonders jetzt sollte der Mannschaft alles daran gelegen sein, sich sportlich zu stabilisieren und weiter zu entwickeln und somit die volle Konzentration auf das Training und die Spielvorbereitung zu legen.

Vor allem von Nerlinger hätte man als Fan etwas mehr Taktgefühl erwartet. Gut als Sportdirektor ist er nicht für die Umsetzung von Marketingstrategien verantwortlich, allerdings hätte er Wissen müssen, welche Reaktionen ein derart übler Scherz, in der aktuellen sportlichen Lage, hervorrufen kann.

Möge der FC Bayern daraus lernen und sich jetzt auf das wirklich wichtige fokussieren.

Wer den Scherz gern selbst sehen möchte, dem sei hier geholfen!


1 Antwort auf „April April“


  1. 1 NORTHEND 28. Januar 2012 um 21:57 Uhr

    Fette Verarsche. Die Interviews mit den Spielern sind jedoch derart gestelzt, dass man spätestens hier den Braten riechen müsste. Drecks Marketing.

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>